Vielen Dank, und ahoi, ihr Landratten. Als wir vor einigen Wochen mit einer Delegation der Stadt Frankfurt unterwegs waren, um die schönsten Plenarsäle Süddeutschlands als Inspiration anzuschauen, fühlte sich, so glaubte ich zumindest, unser Stadtverordnetenvorsteher sehr geschmeichelt, als wir im Würzburger Parlament saßen und vom Oberbürgermeister Schuchardt als Delegation der Freien Hansestadt Frankfurt begrüßt wurden. Das ist mir irgendwie in Erinnerung geblieben. Herr Schuchardt bewies damit seherische Fähigkeiten, denn wir hatten unseren Antrag zum Beitritt in den Städtebund Hanse noch gar nicht gestellt. Dennoch rechne ich den Würzburger Oberbürgermeister zu den prominentesten Fürsprechern unseres Anliegens.

Die Hanse mag manch einen von Ihnen nur aus Thomas Manns Debütroman „Die Buddenbrooks“ bekannt sein. Sie lässt uns in Gedanken an jene Zeit schwelgen, in der Freihandel noch etwas Grandioses war, eine Zeit, in der eine Kleinstadt wie Lübeck noch die Welt beherrschte, eine Zeit, in der die Meere noch voll von Seeungeheuern anstatt Plastik waren, eine Zeit, als die Geschwindigkeit einer einmastigen Kogge noch ausreichte, und niemand Amazon Prime oder gar Drohnen brauchte. Eine Zeit, in der Hansaplast noch ein starker Verband war und Hansa Rostock noch in der Bundesliga spielte, eine Zeit, in der Piraten noch einer sinnvollen Beschäftigung nachgingen, sorry, Herbert, und noch niemand unter der Existenz von Hansa Pils leiden musste.

Meine Fraktion DIE FRAKTION möchte diese Zeiten zurückholen und Frankfurt in biedermeierlicher Manier sein Gefühl einer Groß- und Handelsstadt von internationalem Format zurückgeben. Viel zu lange schon treibt der Hegemon Korbach als einzige hessische Hansestadt sein Unwesen. Viel zu lange schon übergießen uns die lachenden Fratzen der Frankfurter Namensdiebe aus unserem ostdeutschen Bruderland mit Häme, weil sie sich unter unserem Namen in den vielleicht schönsten Städtebund der Welt hineingezeckt haben. Frankfurt muss aufwachen, sich aus der Unmündigkeit der Bundesregierung lösen und mit gutem Beispiel vorangehen. Wir müssen aufstehen, der Hanse beitreten und endlich beginnen, in schmierigen und geheimen Hinterzimmergesprächen Freihandelsabkommen zu unserem alleinigen Vorteil auszuhandeln. Wieso lassen wir uns von Brüssel für Millionen Euro von Steuergeldern entmündigende Freihandelsabkommen aufzwängen, wenn die guten alten Hanseabkommen noch irgendwo herumliegen? Vielleicht sogar im Kölner Stadtarchiv, wo wir die alten Schinken nur herausziehen und auf deren Umsetzung pochen müssen.

Anders als TTIP ist die Hanse bei den Menschen beliebt. In unserem Land erfreut sie sich stetiger Zustimmung, was an den steigenden Zahlen der Hotelübernachtungen in den deutschen Hansestädten abzulesen ist. Unser Antrag spricht davon. Freie Hansestadt Frankfurt, das klingt nach Selbstbestimmung, nach internationalem Flair, nach florierenden patrizischen Handelskontoren, zum Beispiel im Westhafen, und nach humanistisch geprägtem merkantilistischen Idyll, in dem die Getreidepreise nicht durch zugekokste, lediglich durch Eigeninteresse getriebene Bänker, sondern durch die sommerliche Flaute eines Windes in den See bestimmt und in unseren stadteigenen Koggen hochgetrieben werden. Wir haben mit dem Beitritt in die Hanse die Chance, Freihandel wieder offen und transparent zu gestalten. Wir haben die einmalige Möglichkeit, Globalisierung zu entschleunigen. Sechs Knoten – das muss reichen, für Frankfurt allemal.

Und: Vorfreude ist die größte Freude, auch bei unseren Amazon-Lieferungen, auch gerne einmal über Monate. Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, kennen das Gefühl durch alle Fraktionen hinweg, wenn die Mühlen des Magistrats wieder einmal etwas langsamer mahlen als gewöhnlich. Ha. Gewöhnlich. Kleiner Witz am Rande. Wenn wir wieder einmal ein Dreivierteljahr auf eine unbefriedigende Antwort zu irgendeinem Firlefanz warten.

Wer von uns möchte überhaupt gegen Windmühlen kämpfen? Aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch ist die Hanse die Antwort in postdemokratischen Zeiten. Hauchdünne Mehrheitsbeschlüsse, unter denen alle leiden müssen, sind mit ihr passé, da heißt es Konsens. Alles andere ist Nonsens. Riechen Sie es schon? Das Häppchenbuffet beim nächsten internationalen Hansetag? Hmmmmm, das schmeckt nach See, das riecht nach Seeluft. Hmmmmm. Ahoi, ihr Landratten, Segel setzen in eine bessere Zeit für Frankfurt mit hanseatischer Gelassenheit.

Vielen Dank!

(Beifall)