Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Vielen Dank für die Titulierung „Politclown“. Ich kann mit Clown ziemlich gut umgehen, mit Politik habe ich nichts am Hut. Liebe Festgäste, der Philosoph Arthur Schopenhauer sagte einst „Auch das Zufälligste ist nur ein auf entfernterem Wege herangekommenes Notwendiges“. So wie auch ich, der einst durch Zufall in diese Stadt kam, so kam auch das Caricatura Museum für Komische Kunst nach Frankfurt am Main und beides stellt sich just zehn Jahre später ganz objektiv betrachtet als ein Glücksfall für unser geliebtes „Städtsche“ heraus, meine Damen und Herren.

Wir gratulieren dem Caricatura Museum herzlichst zum zehnjährigen Bestehen und halten an dieser Stelle fest, dass die vielbeschworene Frankfurter Seele durch unser Museum für Komische Kunst um einen ganz wichtigen und witzigen Bestandteil reicher geworden ist. Die neue Frankfurter Schule um Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler, Friedrich Karl Waechter, F. W. Bernstein, Eckhard Henscheid, Bernd Eilert und Peter Pit Knorr hat Frankfurt zur Satire‑Hauptstadt gemacht. Bis heute bringt diese Schule immer neue Absolventinnen und Absolventen hervor, die von Frankfurt aus Satirisches in Wort, Bild und Strich in die gesamte Republik tragen. Durch das Caricatura Museum hat sich Frankfurt aber in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt und ist heute nicht mehr nur die Kapitale der Satire, sondern hat sich zur Hauptstadt der Komischen Kunst gemausert. Die Caricatura hat uns die großen Klassiker der Komischen Kunst nähergebracht: sie zeigte Bernd Pfarrs Komische Welten, das satirisch komische Werk Tomi Ungerers zeigt die Werke von Marie Marcks, der Grande Dame der Karikatur, präsentierte Zeichnungen des APO-Opas und Chronisten des Frankfurter Stadtteils Sossenheim, Chlodwig Poth, und zeigte unlängst eine Jubiläumsausstellung anlässlich des achtzigsten Geburtstags von Robert Gernhardt.

Aber auch die großen Künstler der modernen Avantgarde der Karikatur brachte die Caricatura den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt und den zahlreichen Gästen von nah und fern immer wieder näher. Gerhard Seyfried, Sebastian Krüger, Frank Hoppmann, das sind nur einige, die ich an dieser Stelle nennen möchte. Hierfür darf man – da oben sitzt der Museumsleiter – noch einmal Danke sagen an die Museumsleitung, die das alles hier ermöglicht hat.

(Beifall)

Aber auch den Macherinnen und Machern in diesem Parlament, die vor zehn Jahren den Mut hatten, sich zu einer Einrichtung zu bekennen und für ein neuartiges Museum für Karikatur, Comic und Klamauk entschieden haben. Herzlichen Glückwunsch und Gratulation. Das war ein Wagnis, das sich heute als Erfolgsgeschichte herausgestellt hat. Zum zehnjährigen Jubiläum wird sich das Caricatura Museum mit rund 70.000 Menschen, die das Haus 2018 besucht haben, mit einem neuen Besucherrekord zum Geburtstag selbst beschenken. Und als ob das nicht genug wäre, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, haben wir dem Caricatura Museum auch noch ein dickes Geschenk mit auf den Gabentisch gelegt. Wir verabschieden heute drei Anträge, zwei von meiner Fraktion, der Fraktion DIE FRAKTION, und einer von der Koalition, in dem alles das enthalten ist, was die beiden anderen Anträge auch umfassen, mit denen wir aber die Weichen stellen für die heraneilenden Teenagerjahre des Caricatura Museums. Die Anträge wollen die Frage stellen, wie sieht die Zukunft des schönsten Museums der Welt aus. Welchen Stellenwert hat die Caricatura in der Frankfurter Museenlandschaft? Welchen Stellenwert hat das Museum für Komische Kunst für uns und für die Stadtgeschichte? Das Caricatura Museum ist heute mit Mitteln ausgestattet, die von Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, vor über zehn Jahren beschlossen worden sind. Dabei war zur damaligen Zeit nicht absehbar, welchen Zuspruch dieses Museum in Frankfurt und darüber hinaus entwickeln würde. Über den offensichtlichen Erfolg dürfen wir uns heute allesamt freuen. Dabei müssen wir aber bedenken, dass die Weiterentwicklung dieses Hauses wichtig ist. Wir dürfen nicht stehen bleiben und mit einem Antrag auf Prüfung und Berichterstattung denken, dass die Welt so in Ordnung ist. Eine erfolgs- und zeitgemäße Ausstattung des Caricatura Museums scheint mehr als geboten. Dass ein Etatansatz von vor über zehn Jahren nicht mehr zeitgemäß sein kann, sollte hier jedem einleuchten. Hier ist eine Anpassung an die Entwicklung der letzten zehn Jahre und eine mögliche Entwicklung der kommenden zehn Jahre dringend erforderlich. Die jüngsten Signale, der Abzug einer Stelle aus dem Museum, waren zumindest verstörend und können sicherlich nicht im Sinne all jener Fraktionen sein, die heute für die Annahme dieser Anträge für das Caricatura Museum stimmen. Hier besteht Handlungsbedarf. Das muss auch Eingang in den kommenden Haushalt finden.

Jubiläum, Besucherrekord, die gemeinsame parlamentarische Initiative, all das sind keine Gründe, um sich jetzt zurückzulehnen. Wir beschließen heute lediglich einen Antrag auf Prüfung und Berichterstattung. Doch wer wird hier prüfen und wer wird berichten? Die zuständige Verwaltungsspitze im Historischen Museum hat ihren Standpunkt im Sommer im Kultur- und Freizeitausschuss schon klar gemacht, wobei die Eigenständigkeit des Caricatura Museums einfach nur mehr Geld kosten würde und man deshalb der Sache ablehnend gegenübersteht. Das Prüfen und Berichten, das wir heute beschließen, sollte in den Augen meiner Fraktion ein Prüfen und Berichten sein, bei dem nicht nur, wie sonst üblich, die Verwaltung Dinge durchrechnet und am Ende eine Zahl präsentiert. Wir wünschen uns ein gemeinschaftliches Prüfen und Berichten von verschiedensten Kräften.

Liebe Frau Hartwig, was wir heute hier beschließen, ist kein einfacher Verwaltungsauftrag, sondern die Grundlage und der Anfang einer Diskussion über die zukünftige Entwicklung des Museums für Komische Kunst. Das Museum liegt der gesamten Stadtgesellschaft am Herzen und deshalb, liebe Frau Hartwig, lassen Sie Vertreterinnen und Vertreter der Bürger dieser Stadt sich an dieser Diskussion beteiligen. Ziehen Sie Fachleute aus dem Bereich der Komischen Kunst hinzu, involvieren Sie Förderer und Freunde des schönsten Museums der Welt. Hören Sie allen engagierten Teilnehmern der Diskussion um die Zukunft des Caricatura Museums zu und bringen Sie die Menschen dazu, sich auch untereinander zuzuhören, damit wir am Ende eine tragfähige Lösung für dieses Museum erreichen, weil sie auch für die kommenden Jahre den Erfolg dieses Hauses sicherstellen soll. Vielleicht steht am Ende der Diskussion der Entschluss dieser Stadtverordnetenversammlung, die Caricatura, ein deutsches Museum der Komischen Kunst.

All diese Fragen und Ideen können zusammengetragen und in der Folge die beste Lösung für das Caricatura Museum gefunden werden. Doch lassen Sie diese Diskussion transparent und offen stattfinden. Lassen Sie sich, Frau Hartwig, diese Idee eines Runden Tisches anlässlich der Frage der Entwicklung des Museums für Komische Kunst von meiner Fraktion mit auf den Weg geben. Wir stehen ganz am Anfang dieser Diskussion um die Zukunft des Caricatura Museums zum Wohle der Stadt Frankfurt, zur Museumslandschaft Frankfurt. Lassen Sie uns alle gemeinsam miteinander reden, damit wir auch gemeinsam in den kommenden Jahren miteinander lachen können.

Zum zehnjährigen Jubiläum des Caricatura Museums hebe ich gleich mein Glas in der Cafeteria. Ich hoffe, Sie sind alle dabei und Sie sind eingeladen, am Sonntag im Mousonturm das zehnjährige Bestehen des schönsten Museums der Welt zu feiern.

Vielen Dank!

(Beifall)