Sehr geehrter(r) Vorsitzende(r),
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Musikfreunde von der AfD-Fraktion,

vielen Dank, dass Sie es uns heute ermöglichen, einmal über Musik zu sprechen, die meinem ganz persönlichen Geschmack entspricht. Beginnen wir erst einmal mit den Fakten:

Die Band „Feine Sahne Fischfilet“ stammt aus einem kultur- und bildungsfernen östlichen Zonengebiet – dem sogenannten Mecklenburg-Vorpommern. Dort steigt die Zahl der Neonazis und Rechtspopulisten stetig an, wie die Ergebnisse der letzten Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern belegen. Vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen bleibt daher oftmals nur noch die Flucht in die Musik.

Deshalb entwickelten die jungen Punk-Musiker von „Feine Sahne Fischfilet“ die Bildungskampagne „Noch nicht komplett im Arsch. Zusammenhalten gegen den Rechtsruck“. Die Musiker stammen selbst aus der Umgebung von Rostock und Schwerin und wissen, wie es dort um den gesunden Menschenverstand und das bedingungslose Mindesthirn bestellt ist. Im Rahmen der Bildungskampagne „Noch nicht komplett im Arsch“ luden die Punker deshalb im August zu einem Unterstützungskonzert nach Anklam, das von den deutschlandweit bekannten Musikern Marteria und Campino von den Toten Hosen unterstützt wurde. Campino – den kennen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, oder? Smiley!

Anklam – das ist ein 13.000-Seelen Örtchen in der mecklenburgischen Prärie, das immer wieder als Hochburg der Neonazis bezeichnet wird. Als failed city. Als Stadt, für die es keine Hoffnung mehr gibt. Das Konzert von Feine Sahne Fischfilet sollte deshalb die Menschen vor Ort unterstützen. Menschen, die tagtäglich mit rassistischer, demokratie-feindlicher, nationalistischer und völkischer Ideologie konfrontiert werden und dagegen zu kämpfen haben.

Entsprechend war das Lob von Bundesjustizminister Heiko Maas in Bezug auf das „tolle Zeichen gegen Fremdenhass und Rassismus“ mehr als angebracht. Deshalb wird meine Fraktion diesem Antrag auch nicht zustimmen. Er ist nichts weiter als populistische Stimmungsmache gegen die Antifaschistinnen und Antifaschisten der Antifa Reisen e.V. in Mecklenburg-Vorpommern und anderswo im gesamten Bundesgebiet.

 

Nun habe ich zu Ihrem Antrag, werte Kolleginnen und Kollegen der AfD-Fraktion, drei wesentliche Punkte anzumerken:

1. Punkt:

 

Es ist nicht nur, dass Sie mit Ihrer Resolution auf billigste Weise lobenswertes gesellschaftliches Engagement diskreditieren möchten. Nein – sie beschäftigen 93 Stadtverordnete wieder einmal mit einer schlecht recherchierten Vorlage. Dass Sie, Herr Dr. Alt und Herr Dr. Dr. Rahn, keine promovierten Musik-Wissenschaftler sind, wissen wir nun seit diesem Antrag. Denn in der Begründung Ihres Antrages zitieren Sie die affirmative Textpassage „Deutschland verrecke“ aus dem Song „Gefällt mir“. Dass es sich hierbei um ein Zitat aus dem letzten Refrain des Songs „Deutschland“ der Hamburger Punkband „Slime“ handelt, ist Ihnen bei der Recherche offensichtlich nicht aufgefallen.

Ein Anruf bei Ihren Kameraden der AfD-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft hätte aber genügt, um festzustellen, dass es sich schlicht um eine Hommage an „Slime“ handelt. Diese hatten im April versucht einen Auftritt von Slime, aufgrund jener Textzeile, zu verbieten. Gegen diese ist jedoch nichts einzuwenden – das Verfassungsgericht stellte den Song schon im Jahr 2000 unter den Schutz der Kunstfreiheit im Sinne des Grundgesetzes Artikel 5, Absatz 3 ein.

Die Lektüre von Heinrich Heines nicht minder radikalem Gedicht „Die schlesischen Weber“ sei Ihnen an dieser Stelle ans Herz gelegt.

2. Punkt:

 

Meine Damen und Herren der AfD-Fraktion. Sie offenbaren erneut eine Doppelmoral, die sie immer wieder durch postfaktisches Getöse zu verbergen versuchen. Sie zitieren aus einem Bericht des Verfassungsschutzes des Landes Mecklenburg-Vorpommern und werfen dann in Ihrer Resolution Herrn Maas implizit vor, dass er zur Gewaltverherrlichung aufrufe. Gleichzeitig sind Sie aber Mitglieder einer Partei, deren stellvertretender Bundessprecher, Herr Alexander Gauland, auf einer Kundgebung die Parole „Heute tolerant und morgen fremd im eigenen Land“ anstimmte.

Dieser Satz stammt von der Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“, die nicht zuletzt wegen des Lieds „Adolf Hitler lebt!“, des Album „Döner-Killer“ oder diverser Holocaust-Leugnungen vom Niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet werden.

Fassen Sie sich und Ihrer Partei also lieber einmal selbst an die Nase.

1. Punkt:

 

Das Allerschlimmste ist aber – das ist Ihnen höchst wahrscheinlich nicht einmal bewusst – dass sie den üblen Rechtspopulisten und billigen Meinungsmachern von der CSU hier, in einem hessischen Stadtparlament, eine Plattform bereiten.

Die Stimmungsmacher der bayerischen Einheitspartei machen gerade in Nürnberg gegen ein Konzert der Musiker von „Feine Sahne Fischfilet“ im Dezember mobil. Mit ihrem Antrag machen Sie diese dubiose Kleinpartei zusätzlich stark. Und das, obwohl „Feine Sahne Fischfilet“ nun auch noch gutmütig angeboten hat, dass Kinder und Jugendliche, deren Eltern nachweislich Mitglied der CSU sind, freien Eintritt zu ihrem Konzert erhalten werden.

Würde die Absage dieses Konzertes durch eine Resolution aus Frankfurt auch noch befördert, man würde den Kindern und Jugendlichen der Stadt Nürnberg die wohl einzige Möglichkeit nehmen, um aus dem typisch bayerischen Teufelskreis aus Vetternwirtschaft, Alkoholismus und Inzest ausbrechen zu können.

In diesem Sinne, ein Zitat (erlaubt und durch die Kunstfreiheit gedeckt).. liebe AfD: „Deutschland muss sterben – damit wir leben können“.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.